Bankkunden haben gute Aussichten auf Schadensersatz und die Möglichkeit auf Widerruf bei einem Fremdwährungskredit.

Ein Fremdwährungskredit ist ein Kredit, der in einer anderen als der eigenen Währung aufgenommen wird.

In Deutschland wurde von vielen Banken ein Fremdwährungskredit verstärkt angeboten,  da der Darlehenszins in anderen Ländern um einiges niedriger als in Deutschland lag. Wenn zudem der Wert der fremden Währung im Vergleich zum Euro während der Darlehenslaufzeit fällt, verringern sich die Schulden entsprechend.

Im Unterschied zu einem Kredit in der eigenen Währung besteht dabei die Möglichkeit, dass sich die Schuld durch Wechselkursveränderungen vergrößert oder verkleinert. Ein Fremdwährungskredit ist immer ein spekulatives Instrument. Es wird eine Wette darauf eingegangen, dass sich Zinsen und der Wechselkurs so entwickeln, dass die gesamte Tilgungsleistung niedriger ist, als wenn das Darlehen in EURO aufgenommen worden wäre.

Bei einem Fremdwährungsdarlehen spekulieren Kunden hinsichtlich der Erwartung, dass der Wert der fremden Währung im Vergleich zum Euro gleich bleibt bzw. fällt. Die Hoffnung von Anlegern bezieht sich dabei auf folgende Fallgestaltungen.

  • Die Zinsen steigen nicht und die Fremdwährung wertet nicht gegenüber dem EURO auf.
  • Die Zinsen sind höher als in der EURO-Region, es wird jedoch darauf gewettet, dass sich die Fremdwährung soweit abschwächt, dass die höheren Zinsen kompensiert werden.
  • Die Zinsen sind niedriger, es wird darauf spekuliert, dass die Fremdwährung leicht steigt, jedoch nicht über den Zinsvorteil.

Fremdwährungskredit und Risiken

Ein Darlehen in einer fremden Währung aufzunehmen birgt ein erhebliches Wechselkursrisiko.  Verteuert sich die Fremdwährung  erhöht sich ebenfalls der Kredit in EURO. Hinzu kommt, dass Sie als Darlehensnehmer bei einer variablen Vereinbarung der Verzinsung das Zinsänderungsrisiko tragen. Am Ende der Vertragslaufzeit müssen Sie als Kreditnehmer mehr Euro aufwenden, um das Darlehen zurückzuzahlen.

Augrund unterschiedlicher Faktoren sind Wechselkursschwankungen in einer globalisierten Welt zahlreich und können kurzfristig auftreten. Neben dem sich verändernden Warenhandel kann auch das Zinsniveau einer Volkswirtschaft eine Ursache von Schwankungen im Wechselkurs sein. Aber auch Interventionen von Zentralbanken beeinflussen die Veränderung des Wechselkurses.

Durch bestimmte Devisenoptionsgeschäfte lassen sich Risiken aus Wechselkurs- oder Zinsschwankungen beim Fremdwährungskredit begrenzen.

Folgen für Kreditnehmer beim Fremdwährungskredit

Sollte Ihnen von Ihrer Bank oder Ihrem Kreditinstitut im Vergleich zu den konservativen klassischen Bauspar-, Hypotheken– und Versicherungsdarlehen ein Fremdwährungskredit angeboten worden sein, kann dies bei einem Abschluss existenzbedrohende Folgen haben.

In vielen Fällen wurde Banken ein Nachbesserungsrecht in Form einer sogenannten Schwellenklausel eingeräumt. Für den Fall, dass die Verbindlichkeit in Form des Darlehens den Wert der als Besicherung verwendeten Immobilie übersteigt, kann das Institut weitere Sicherheiten verlangen.

Wenn keine zusätzlichen Sicherheiten vom Kreditnehmer angeboten werden können, hat dies eine Kündigung des Vertrages durch die Bank als mögliche Folge. Als nächster Schritt droht dann die Zwangsversteigerung Ihres Eigenheimes.

Verluste sind auch meist vorprogrammiert, wenn Sie als Darlehensnehmer die Finanzierung mit einem Aktienfond, einem zusätzlichen Swap oder einer Lebensversicherung gekoppelt haben.

Von vielen betroffenen Bankkunden wurde berichtet, dass bei Darlehen die kurfristig auslaufen, einige Banken die Finanzierung nicht weiter verlängern. Die mündliche Zusage bei Vertragsschluss,  dass die Finanzierung komplett begleitet werden soll, wurde nicht eingehalten. Eine solche überraschende Mitteilung trifft Kunden zu einem unglücklichen Zeitpunkt. Der Wert der Immobilie bemisst sich weiterhin in EURO, die Verbindlichkeiten müssen aber z.B. in Schweizer Franken bezahlt werden.

Als Folge werden Kunden aufgrund der Wechselkursveränderungen nach einer Überprüfung des Risikos oft aufgefordert, bei laufenden Verträgen Eigenkapital nachzuschießen. Erfüllt ein Kunde seine Nachschusspflicht bei einem Fremdwährungskredit nicht, wird von einigen Banken eine Kurssicherung zu Lasten des Darlehensnehmers vorgenommen. So kann ein Währungsswap als eine “Versicherung” gegen zukünftige Währungsschwankungen abgeschlossen werden. Dessen Kosten trät natürlich der Kunde.

Möglichkeiten bei Falschberatung

Banken, Finanzierungsberater und Vermittler sind verpflichtet  ihre Kreditnehmer über alle wesentlichen Umstände des Fremdwährungskredites aufklären. Insbesondere gehört zu diesen Hinweis-, Aufklärungs- und Beratungspflichten, die Risiken eines spekulativen Darlehensvertrages zu erklären und die wirtschaftlichen Folgen für den Kunden zu beschreiben.

Wird bei einem Fremdwährungskredit im Rahmen einer Immobilienfinanzierung auf die Währungsrisiken nicht entsprechend hingewiesen und entsteht dadurch dem Kreditnehmer ein Schaden, haften Banken und Berater auf Schadensersatz aufgrund einer Pflichtverletzung.

Ein lediglicher Hinweis auf abstrakte Risiken kann nicht ausreichend sein. Vor Vertragsabschluss müssen die konkreten finanziellen Auswirkungen im Risikofall genannt werden. Nur dann kann ein Kreditnehmer eine objektive Entscheidung treffen.

Auch wenn Kreditverträge eine Risikobelehrung enthalten, entspricht diese nicht immer den gesetzlichen Vorgaben. Zudem sind Bankberater verpflichtet, auf die finanziellen Risiken direkt hinzuweisen. Entscheident ist der tatsächliche Ablauf und der Inhalt des Beratungsgespräches.

Widerruf von Fremdwährungsdarlehen

Aufgrund aktueller Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs können Kreditnehmer Verträge in Form eines Fremdwährungskredits widerrufen. Sollte eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung vorliegen, können bei einem Fremdwährungskredit ein Widerruf genutzt werden und eine Rückabwicklung stattfinden.

Bei fehlherhaften Widerrufsbelehrungen oder einer Falschberatung im Zusammenhang mit einer Kreditberatung haben betroffene Kunden also Möglichkeiten den Schaden zu begrenzen. In diesen Fällen sollten weitere Zahlungen an die Bank eingestellt werden. Zu einer Überpüfung durch einen spezialisierten Rechtsanwalt kann nur geraten werden.

Urteile zum Thema Fremdwährungskredit

LG Köln – Urteil vom 17. September 2013 · Az. 21 O 475/12
Europäische Gerichtshof (EuGH) Entscheidung vom 30.04.2014 – C-26/13